Am Anfang habe ich
geglaubt, dass es nur einen Unterschied zwischen Jasager und Neinsager gäbe,
aus offenbaren Gründe. Eigentlich gab es mehre, und ich habe ein paar im Text
aufgeschrieben. Hier diskutiere ich zwei große Unterschiedlichkeiten. Zuerst
habe ich gemerkt, dass der Brauch sich verändert hat. Ich konnte es nicht
glauben, als die Studenten fragten, "Sollten wir also dem großen Brauch
folgen und ihn / In das Tal hinabschleudern?" (Neinsager 93.6-7).
Woher ist das gekommen?! Es kommt mir jetzt vor, dass die Taten vom Ende
von Jasager einen neuen Brauch gemacht haben. Ein anderes
Beispiel ist, als der Lehrer sagte, "... der große Brauch schreibt auch
vor, daß man den, / welcher krank wurde, befragt, ob man umkehren soll
seinetwegen" (Neinsager 93.26-27). Im Jasager hat
er nur gesagt, dass er das für richtig hält. Es gab noch nicht diesen Brauch.
Und so hat er den Brauch von Neinsager auch beeinflusst. Der Brauch
im Neinsager wurde so eingesetzt wegen der letzten Reise vom Jasager. Wenn
man in einer fremden Lage ist, greift er auf alten Bräuchen zurück, weil sie
damals erfolgreich gewesen war. Es ist hier interessant, darüber nachzudenken,
woher diese Bräuche gekommen sind. Mit diesen Dramen müssen wir uns
fragen, ob alte Bräuche immer die besten Lösungen sind. 
Der Knabe im Neinsager hat das wohl gemacht. Er hat "Nein" gesagt, und die Reaktion der Studenten hat mich überrascht. Ich habe gedacht, dass sie auf ihn böse gewesen wären, weil er nicht dem Brauch gemäß geantwortet hat. Dann hätten sie ihn jedenfalls ins Tal zur Strafe geworfen. Aber vielleicht sind deutsche Werke nicht immer so düster und schrecklich. Im Neinsager entdeckt der Knabe, er hat die Freiheit, für sich selber zu sprechen, was den Studenten vernünftig vorkommt. Hier ist es auch interessant - meinte Brecht, ein Jasager (wie der erste Knabe) ist fast so schuldig wie die Frager, weil er nicht für sich selber denkt? Und würde das seinen Tot weniger oder mehr tragisch machen? Auf jeden Fall sind die Studenten einverstanden, dass sie einen neuen Gedanken annehmen sollten. Ich liebe die Phrase "mit offenen Augen" (Neinsager 97.17), als sie zurückgekehrt haben. Dieser symbolische Unterschied von Jasager war mir am stärksten. Wenn man die offenen Augen hat, sieht er die Wahrheit und glaubt er an sie. Aber ich habe die letzten Zeile komisch gefunden: statt des Wortes "schuldiger" hat Brecht "feiger" benutzt. Das klingt so negativ wie der erste. Es scheint, dass er meint, dass keiner mit Gelächter und Schande überschütten wird, wenn alle etwas zusammen machen. Es ist deswegen relativ, und es macht eine Unerträglichkeit leichter, sowohl im Jasager als auch im Neinsager. Vielleicht ist das nicht so schlimm. Im Neinsager aber zeigt Brecht zusätzlich ein anderes Sache: im Leben wird der friedliche und menschliche Weg oft als Feigheit dargestellt. Der Lehrer hat ihn davor gewarnt. Aber weil die Studenten das gewählt haben, was andere Leute "feig" nennen würde, werden sie eigentlich mutiger als alle.
Selten können wir zwei
verschiedene Handlungen von einer Geschichte lesen. Obwohl die erste selber
spannend war, freut es mich, dass Brecht auch gefragt hatte, "Was, wenn er
"Nein" sagt?" Jetzt wissen wir.





