Gastmann ist tot, Lutz entdeckt den Mörder und Tschanz überlebt. Fall erledigt, oder?
Vielleicht nicht... weil wir jetzt schon andere Fragen und Verdachten haben. In der Moment als Tschanz Anna fragte, ob er ihr neuer Bräutigam sein durfte, wusste ich Bescheid, dass Tschanz Schmied getötet hat. Hier wurde ein der am häufigsten gebrauchten Motiven offenbar. Wir sehen oft (vielleicht zu oft) in den klassischen Geschichte einen Held, der nach dem Reichtum, der Macht, und dem Mädchen strebt. Es scheint, dass Schmied viel hatte, was Tschanz fehlte - eine Bildung, einen Mercedes, die Frau, usw., und Tschanz beneidete ihn unbedingt. Also Gastmann hatte kein Motiv, Schmied zu toten, aber Tschanz hatte das doch, und Bärlach hat das fast sofort begriffen. Obwohl er keine Interesse für die neue wissenschaftliche Kriminalistik hat, versteht er etwas wichtiger, die menschliche Motiven. Am Schluss sehen wir dann, dass sein These, dass man wegen menschlichen Unvollkommenheit und Zufalls Verbrechen zutage fördern können, stimmt.
Bärlach benutzt dieses Verständnis, um seine eigene 40-Jahre dauernde Verfolgung der Gerechtigkeit zu unterstützen. Es war mir besonders verwunderlich, dass es Bärlach gelang, beide Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen. Er stellte früher vor, dass es "unmöglich sei, mit Menschen wie mit Schachfiguren zu operieren (S. 65, Z. 22)." Aber er wusste seit Kapitel 7, wer der Mörder war, und er sich entschied, die Untersuchung Schmieds fortfahren zu lassen. Er hat Tschanz selbst gewählt, weil er wollte ihn für seine Pläne benutzen, und Tschanz wurde ohne es zu wissen der Henker (und der Verbrecher). In dieser Hinsicht könnte man behaupten, dass Bärlach mit Menschen wie mit Schachfiguren operiert hatte. Zwar wurde Bärlach später von dem Autor den Schachspieler genannt (S. 112, Z.35). Also es scheint, dass Bärlach selbst ein sehr guter Verbrecher wäre. Er wird aber vom Gewissen und von der Gerechtigkeit geführt, was ihm ein ganz anderes Gesicht gibt.

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